Chateau Miranda

Dieses Schloss gehört bestimmt in jede Top 10 Liste für Lost Places, mit seinen vielen Türmen und Efeu bewachsenen Mauern wirkt es wie eine Filmkulisse, was es in der Vergangenheit auch mehrfach war. Nur leider gibt es dabei ein Haken, das Schloss existiert nicht mehr da es 2017 abgerissen wurde. Aber ich möchte hier von Vorne anfangen und die ganze Geschichte von dieser tollen Location erzählen.

 

Architektur:  ★

Einrichtung: 

Zugang:          ★★

Das Schloss wurde von der Familie Liedekerke-Beaufort in Auftrag gegeben.  Die Ahnenlinie der Familie reicht bis auf das Jahr 1301 zurückgeht. Damit gehören sie zum Uradel im vereinten Königreich der Niederlande zu dem damals auch das Königreich Belgien gehörte. Der frühere Familiensitz war das Schloss Vêves im gleichnamigen Ort. Während der französischen Revolution war die Familie gezwungen Ihren Stammsitz zu verlassen und fand Zuflucht auf dem nahegelegenen Gehöft Noisy. Die Nachfahren der Familie fanden die Lage ihres neuen Anwesens sehr ansprechend und so wurde damit begonnen ein Schloss im neugotischen Stil zu errichten. 1866 wurde der Architekt Edward Milner damit betraut das Schloss Miranda zu bauen das auch unter dem Namen Schloss Noisy bekannt ist. Noch während der Bauarbeiten verstarb der Architekt und so musste das Bauvorhaben von dem Architekten Pelchner fortgeführt werden. Unter der neuen Leitung wurden weitere Anbauten hinzugefügt, unter anderen der imposante Uhrenturm mit einer Höhe von 56m. Das Schloss wurde immer weitläufiger und präsentierte den Wohlstand der Familie. In dem Jahr 1903 wurde der Uhrenturm fertig gestellt und 1907 die Arbeiten an dem Schloss komplett beendet. Nach der Fertigstellung umfasste das Schloss Miranda über 100 Zimmer und 550 Fenster, eine nachgestellte Festungsmauer mit dahinter liegenden Ställen und Unterkünften für Bedienstete, eine Orangerie und einen angrenzenden Park.

Während des 2. Weltkriegs wurde das Schloss dann im Zuge der Ardennenoffensive von den Nazis besetzt und die Familie war erneut gezwungen ihren Wohnsitz zu verlassen. Nach dem Krieg kehrte die Familie zurück und bewohnte seitdem den rechten Flügel des Schlosses. Der linke Flügel wurde durch die nationale belgische Eisenbahngesellschaft(NMBS) angemietet die das Anwesen als Ferienwohnheim nutzte. Das Wohnheim war Ferien- und Erholungsdomizil für die Kinder der Bahnangestellten. Die frische Luft und das gute Essen sollten zur Gesundheit beitragen und im Sommer wurde der große Springbrunnen im Garten zum Swimmingpool umfunktioniert. Der Graf verließ das Schloss 1958 um sich auf dem nahe gelegenen Gutshof niederzulassen. Die NMBS konnte nun das Schloss in ein vollwertiges Ferienheim umwandeln und so wurde das Anwesen in Schloss Noisy umbenannt. Nach einem Brand und der gestiegenen Instandhaltungskosten musste die NMBS den Mietvertrag kündigen und verließ das Schloss 1977. Um das Schloss zu erhalten gründete der Graf ein Stiftung und versuchte Investoren für das Vorhaben zu gewinnen. 

Das Schloss wurde weiter als Ferienheim für Schulklassen verwenden und war für die Öffentlichkeit zugänglich. Es ließen sich jedoch keine Investoren finden um das Schloss in ein Hotel umzuwandeln und zudem war die Bausubstanz von einem zerstörerischen Schimmelpilz befallen. Das führte schließlich dazu das dass Schloss um 1991 verlassen wurde und seitdem lehr stand. Über die Jahre verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes, mehrere kleine Brände wurden gelegt und das Dach der Pferdeställe stürzte ein. Der Graf ließ noch verwertbare Inneneinrichtung demontieren um sie andernorts wiederzuverwenden und einige Vandalen hinterließen ihre Spuren.

2013 beantrage der Graf eine Abrissgenehmigung wegen dem zunehmend schlechten Zustand des Schlosses. Wegen den vielen Urbexer die Schloss Miranda besuchten und der Einsturzgefahr wurde das Gelände abgesichert. Die Gemeinde und ein gemeinnütziger Verein versuchten das Schloss zu retten, da sich aber die Kosten der Renovierung im mehrstelligen Millionenbetrag befanden war keine Partei in der finanziellen Lage dieses Projekt zu stemmen, selbst wenn das Schloss dabei verschenkt worden wäre.

Das Schloss Miranda hatte aufgrund seiner beeindruckenden Architektur auch mehrere Rollen als Filmkulisse für Film und Fernsehen.

- 2009 in dem Film "Anubis en de wraak van Arghus"

- 2011 in dem Film "Dead Man Talking"

- 2015 in der Serie "Hannibal" Staffel 3

Zum Ende hin war der Verfall nicht mehr aufzuhalten und so wurde im Oktober 2016 damit begonnen das Schloss abzureißen. Zuerst wurden die verbliebenen Dächer demontiert und die Wände durch einen Bagger eingerissen bis zuletzt nur noch ein Teil des Uhrenturms stand. Ein Jahr später, im Oktober 2017 war der Abriss vollendet und das Schloss Miranda nur noch Geschichte.

 

Ein aktuelles Luftbild von 2018 gibt es hier: 

Site chateau Miranda destroyed 2018