Villa Dr Anna L.

Mitten in der Stadt gelegen und hinter einigen Büschen versteckt liegt diese Villa. Das wohl berühmteste Lost Place Deutschlands lockt nach wie vor viele Urbexer an und zieht sie in seinen Bann. Der Name der Location bezieht sich hier nicht auf eine frühere Bewohnerin sondern eher auf das Berufsbild des Eigentümers. Das Haus steht schon seit vielen Jahren leer, leider konnte ich kein genaues Datum finden aber seit dem Tod des Eigentümers war es wohl unbewohnt. Auch Heute ist das Haus noch voll mit Einrichtungsgegenständen und Erinnerungsstücken. Der überaus starke Andrang an Besuchern hat natürlich seine Spuren hinterlassen, so wurden viele Dinge für Fotos neu anrangiert, Regale durchwühlt oder Gemälde entwendet. Wenn man das Internet nach älteren Fotos durchsucht erkennt man das ein und der selbe Raum mehrfach umgestaltet wurde und Gegenstände durch das ganze Haus wandern um so neue Motive zu bieten. 

 

Architektur:  ★☆☆

Einrichtung: 

Zugang:          ★★

Der Eigentümer des Hauses war der Urologe Dr. Klaus Kraft der schon damals seine Praxis im Erdgeschoss eingerichtet hatte. Dr. Kraft war auch Chefarzt im St. Liborius Krankenhaus das sich nur wenige Meter weiter befand. Er war mit Claire Kraft verheiratet und es gibt Gerüchte über eine Tochter die sich das Leben genommen haben soll. Die Ehe zerbrach wohl nach diesem Ereignis was eine Scheidungsurkunde von 1970 belegt. Im Haus verstreut liegen mehrere Kontoauszüge von 1986 auf denen ein Schuldenberg im 6 stelligen Bereich zu sehen ist. Das war vielleicht auch der Grund warum das Erbe ausgeschlagen wurde und das Haus jetzt unbewohnt ist. Nach dem Tod des Mannes im Jahr 1988 wurde das Haus nicht mehr bewohnt und verfällt zunehmend. Diese tragische Geschichte ist wohl der Grund dafür das es so wenige Informationen über die wirklichen Eigentümer gibt, die Vorkommnisse wurden nie in die Öffentlichkeit getragen.

 

Nicht zu verwechseln ist dieser Mann mit Karl Kraft der ebenfalls Urologe war und die Villa gleich nebenan bewohnte. Die eigentliche Kraft Villa ist das Nachbargebäude von Haus Anna, dieses wurde bereits renoviert und wird nach wie vor als Praxis genutzt. Leider werden die Geschichten der beiden Männer immer wieder verwechselt und dann kopiert. Zu Klaus Kraft gibt es nur sehr wenige Informationen und so liegt die Wahrheit wohl irgendwo in den tausenden Unterlagen versteckt die überall im Haus verteilt sind. Merkwürdig sind aber die beiden Grabsteine in dem Haus. Der Eine trägt den Namen des ehemaligen Eigentümers Klaus Kraft, der Andere aber gehörte Auguste Kraft. Auguste war die Mutter von Karl Kraft, des Nachbarn ??? Es lässt sich nur noch schwer rekonstruieren wie hier die Verwandschaftsverhältnisse waren.

Es ist wirklich atemberaubend wenn man zum ersten Mal eine solche Location betritt, der Einrichtung kann man noch immer ansehen das hier eine wohlhabende Familie lebte. Im Erdgeschoss befindet sich die Bibliothek in der jede Wand mit Büchern verdeckt ist, gleich nebenan befinden sich die ehemaligen Praxisräume und das Wartezimmer. Überall stehen kleine Fläschchen mit unterschiedlichsten Flüssigkeiten herum und das Ärztebesteck wartet gleich neben dem Behandlungsstuhl auf einen erneuten Einsatz. Im ersten Stock beginnen die Privaträume, man geht durch das Arbeitszimmer dann vorbei an dem großen Flügel ins Kaminzimmer. Auch hier liegen noch immer zahllose Bücher und Gegenstände der früheren Besitzer. Die Küche ist immer noch vollgestopft mit Töpfen und Pfannen die langsam vor sich hinrosten. Weiter in den zweiten Stock, in der Ecke des Ankleidezimmers steht noch ein alter Hometrainer und dahinter das luxuriöse Schlafzimmer des Ehepaars und gleich daneben ein großes Bad mit blauen Kacheln. Gleich gegenüber befand sich wohl einst das Kinderzimmer mit einer angrenzenden Terrasse. Ein letztes Stockwerk gibt es noch zu erkunden, hier befinden sich 3 weitere Schlafzimmer mit allerhand persönlichen Gegenständen und herumliegender Kleidung. Gegenüber liegen zwei weitere Bäder, eines davon wurde von einem früheren Bewohner als Dunkelkammer genutzt um die vielen Negative zu entwickeln die überall verstreut liegen. Eines der letzten Zimmer ist ein weiteres Arbeitszimmer mit Büchern und Unterlagen, auch hier tritt man auf Haufen aus Büchern und Zetteln da das ganze Zimmer bereits durchwühlt wurde. Zum Schluss werfe ich noch einen Blick in den Keller, nebst eingewecktem Obst finden sich hier die Röntgenbilder der früheren Patienten. Leider hat das feuchte Klima die Aufnahmen zerstört so das kaum etwas darauf zu erkennen ist. Der Weinkeller hat wohl so einige Partys versorgt, noch immer liegen hier volle Flaschen in den schmiede eisernen Regalen. 

 

Am meisten hat mich überrascht das es anscheinend so einige Besucher gab die gerne ihre heimische Sammlung an menschlichen Organen aufstocken wollten indem sie eines der anatomischen Präparate mitgehen ließen. Heute findet man in der Praxis wahrscheinlich kein Präparat mehr aber noch vor wenigen Jahren gab es dort noch ein ganzes Regal.

Noch immer ist dies einer der interessantesten Lost Places die ich je besucht habe, ich will an dieser Stelle aber betonen das dass Gebäude nach so vielen Jahren leer stand stark einsturz gefährdet ist. Das Dach hat an mehreren Stellen große Löcher an denen der Regen eindringt, auch direkt über dem Flügel, der dadurch zum Teil schon durch den Boden gebrochen ist. Ab dem zweiten Stock ist der Boden an mehreren Stellen eingebrochen und man muss höllisch aufpassen wo man hintritt.